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Framework-Vergleich

IT-Grundschutz vs Grundschutz++

Das BSI entwickelt seinen Grundschutz neu: Grundschutz++ soll den IT-Grundschutz nach den BSI-Standards 200-x ablösen, der in einer mehrjährigen Übergangszeit anwendbar bleibt. Der Vergleich zeigt, was sich an Methodik, Schutzbedarf, Auswahl der Anforderungen und Format ändert.

Kurzantwort

Grundschutz++ folgt dem BSI-Standard 300-1, ist eng an ISO/IEC 27001 ausgerichtet, kennt zwei Schutzbedarfskategorien und liefert Anforderungen in OSCAL. Der IT-Grundschutz arbeitet mit dem Kompendium und der Modellierung über Bausteine. Zertifizierbar ist Grundschutz++ nach dem Plan des BSI ab dem 1. Januar 2027.

IT-Grundschutz und Grundschutz++ im direkten Vergleich

MerkmalIT-GrundschutzGrundschutz++
MethodikBSI-Standards 200-x, Vorgehensweisen Basis-, Kern- und Standard-Absicherung (BSI-Standard 200-2)BSI-Standard 300-1, fünf Prozessschritte entlang des PDCA-Zyklus
SchutzbedarfDrei Kategorien: normal, hoch, sehr hochZwei Kategorien: normal und hoch; Anforderungen in den Sicherheitsniveaus „normal-SdT“ und „erhöht“
Auswahl der AnforderungenModellierung: Auswahl von Bausteinen aus dem IT-Grundschutz-KompendiumAssets werden Zielobjektkategorien zugeordnet, dazu Blaupausen; Ergebnis ist ein individuelles Anforderungspaket
FormatIT-Grundschutz-Kompendium mit BausteinenAnwenderkatalog Grundschutz++, maschinenlesbar im OSCAL-Format (Stand-der-Technik-Bibliothek auf GitHub)
Nähe zu ISO 27001Kompatibel zu ISO 27001Eng ausgerichtet: Methodik-Anforderungen bilden die Kapitel 4 bis 10 der ISO/IEC 27001 ab
ZertifizierungISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz; Zertifizierbarkeit endet am 30. November 2031ISO 27001 auf Basis von Grundschutz++; Anträge ab 1. Januar 2027 (Meilensteinplan des BSI)
Für wen relevantBestehende Anwender und Zertifikatsinhaber während der ÜbergangszeitInstitutionen, die ihr ISMS neu nach Grundschutz aufbauen; Version 1.0 richtet sich zuerst an erfahrene Early Adopters

Die wichtigsten Unterschiede

MethodikGrundschutz++ beschreibt das ISMS in fünf Prozessschritten entlang des PDCA-Zyklus: Erhebung und Planung, Anforderungsanalyse, Realisierung, Überwachung und kontinuierliche Verbesserung. Der BSI-Standard 300-1 verweist dabei ausdrücklich auf Kapitel der ISO/IEC 27001.
SchutzbedarfDer IT-Grundschutz kennt die Schutzbedarfskategorien normal, hoch und sehr hoch. Grundschutz++ gibt nur noch normal und hoch vor; für Geschäftsprozesse mit hohem Schutzbedarf ist eine Risikobetrachtung erforderlich.
Auswahl der AnforderungenStatt Bausteine aus dem Kompendium zu modellieren, ordnet die Institution ihre Assets Zielobjektkategorien zu. Blaupausen liefern vorgefertigte, auf Anwendungsszenarien zugeschnittene Anforderungskataloge mit vorgegebenen Parametern.
FormatDie Anforderungen von Grundschutz++ sind maschinenlesbar und stehen als OSCAL-Dokumente in der Stand-der-Technik-Bibliothek des BSI auf GitHub. Prüfungen lassen sich damit automatisieren.

Gemeinsamkeiten

  • Beide sind Methoden des BSI zum Aufbau eines ISMS
  • Beide ermöglichen eine Zertifizierung nach ISO 27001 auf Basis des Grundschutzes
  • Beide arbeiten mit einer Schutzbedarfsfeststellung nach den Grundwerten Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit
Was heißt das für NIS2-pflichtige Unternehmen?

Eine Pflicht, Grundschutz++ anzuwenden, gibt es nicht. § 30 BSIG verlangt geeignete, verhältnismäßige und wirksame technische und organisatorische Maßnahmen, die den Stand der Technik einhalten und die einschlägigen europäischen und internationalen Normen berücksichtigen sollen (§ 30 Abs. 2 BSIG), schreibt aber keine bestimmte Methodik vor. Schon für den bisherigen IT-Grundschutz stellt das BSI klar, dass er im Rahmen der NIS-2-Umsetzung nicht für alle verpflichtend ist. Welche Rolle Grundschutz++ für NIS2-Einrichtungen spielen soll, hat das BSI bisher nicht festgelegt.

Sinnvoll ist, die Entwicklung zu beobachten: Die erste anwendbare Version wird ab 2027 in einer Early-Adopter-Phase erprobt, und das BSI passt seinen Meilensteinplan laufend an. Wer sein ISMS an ISO 27001 ausrichtet, schafft eine Grundlage, die auch für Grundschutz++ trägt, weil die neue Methodik eng an der Norm ausgerichtet ist.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich als NIS2-pflichtiges Unternehmen auf Grundschutz++ umstellen?
Nein. § 30 BSIG schreibt keine bestimmte Methodik vor. Die Maßnahmen sollen den Stand der Technik einhalten und einschlägige Normen berücksichtigen. Wie Grundschutz++ für NIS2-Einrichtungen einzuordnen ist, hat das BSI bisher nicht festgelegt.
Ab wann ist Grundschutz++ zertifizierbar?
Nach dem Meilensteinplan des BSI (Stand Oktober 2026) ab dem 1. Januar 2027. Ab dann können Anträge für eine Zertifizierung nach ISO 27001 auf Basis von Grundschutz++ gestellt werden.
Wie lange kann man noch nach IT-Grundschutz zertifizieren?
Der IT-Grundschutz bleibt in einer mehrjährigen Übergangszeit anwendbar. Seine Zertifizierbarkeit endet nach dem Meilensteinplan des BSI am 30. November 2031.
Was wird aus WiBA?
Der Weg in die Basis-Absicherung (WiBA) steht weiter zur Verfügung. Das BSI kündigt an, die mit WiBA erprobten Checklisten zum festen Bestandteil des neuen Grundschutzes zu machen.
In CompliantDesk

ISMS nach ISO 27001 aufbauen

CompliantDesk unterstützt heute den Aufbau eines ISMS nach ISO 27001 und die NIS2-Pflichten nach § 30 BSIG. Grundschutz++ ist noch nicht enthalten.

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